Führungen in Ellerhoop-Thiensen
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Wirkung in die Gesellschaft  
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Aufgaben des Arboretums Ellerhoop-Thiensen
 
    Bildungsarbeit

Während noch unter der Leitung der Firma Timm & Co. allein die dendrologischen Gesichtspunkte, das heißt das Sammeln und Vergrößern der Gehölzsortimente, im Vordergrund standen, sollte das Arboretum nach dem Kauf durch den Kreis Pinneberg auch noch weiteren Aufgaben dienen. Da für Erwerb und Unterhaltung öffentliche Mittel verwendet wurden und die Nutzung für eine breite Öffentlichkeit und nicht für Fachleute vorgesehen war, beschlossen die politischen Gremien, neben der reinen Gehölzpräsentation die Schwerpunkte auch auf die Bereiche Schule, Volksbildung, Naherholung und Ökologie zu legen.

Acer griseum

Die Gehölze nehmen auch weiterhin eine zentrale Stellung innerhalb der Thematik des Arboretums Ellerhoop-Thiensen ein. Die Pflanzensammlungen werden ständig erweitert. Schwerpunkte dabei sind die Gattungen Prunus, Äpfel (Malus) und Hortensien (Hydrangea). Nach einer über 50-jährigen Standzeit der gepflanzten Exemplare sind allerdings Bodenermüdungserscheinungen nicht zu übersehen. Daher findet auf diesen Flächen ein langsamer Umbau auf andere Blütengehölze statt. Einen neuen Sichtungsschwerpunkt stellen die Herbstfärbergehölze dar, die in der Verbindung mit einem Gräser- und Astern-Garten einen Eindruck des Indian Summers vermitteln.

Am Ufer des Arboretum-Sees gibt es große Bestände verschiedener Bambusarten, wobei die Gattungen Phyllostachys, Fargesia, Pseudosasa und Sasa prägend sind. Die charakteristischen Leitpflanzen bilden dabei Alnus glutinosa 'Imperialis', verschiedene Salix-Arten und Miscanthus-Sorten. Die Bambus-Sichtung wird im Arboretum Thiensen seit etwa 20 Jahren intensiv betrieben. In einem gut eingewachsenen, unverwüstlichen Phyllostachyswäldchen ist zur großen Freude sowohl der kleinen als auch der erwachsenen Besucher ein Bambus-Dschungel-Pfad eingerichtet worden.

Der in der Nähe des Münsterhofes gelegene Heidegarten zeigt neben einem großen Sortiment an Calluna- und Erica-Vertretern auch die wichtigsten Kraut- und Gehölzpflanzen der Heide.

Um die Parksaison zu verlängern und Besucher schon frühzeitig anzuziehen, wurde im Jahr 1998 ein Kamelienhaus eingerichtet, in dem die Blütezeit oft schon Ende Januar beginnt. Sehenswert sind die Abteilung mit Formgehölzen und der vor dem Gartenpavillon gelegene Rosengarten.

Das Arboretum dient in hohem Maße der Intensivierung des praktischen und theoretischen Biologieunterrichts an den allgemein- und berufsbildenden Schulen. Daneben soll es sowohl die akademische und gärtnerische Fachausbildung als auch die botanische Forschung unterstützen und fördern.

Die schulbiologischen Abteilungen umfassen:

  • die Entwicklungsgeschichte der Bäume mit einem Steinkohlewäldchen aus dem Karbon,
  • ein lebensgroßes wissenschaftliches Modell eines pflanzenfressenden Sauriers aus dem Trias,
  • einen im Wasser stehenden großen Sumpfzypressenwald aus dem Tertiär,
  • einen geologischen Erlebnispfad,
  • eine Nutzpflanzenabteilung mit alten Getreidesorten,
  • weitere kleinere schulbiologische Themen, wie beispielsweise Fleischfressende Pflanzen.

Eine Attraktion im Arboretum ist der im April 2008 eröffnete Bernsteingarten. Dieser Teil der schulbiologischen Abteilung zeigt unter dem Schlagwort „Faszination Bernstein – Das Gold der Bäume“ die Entstehung und Verwendung von Bernstein. Die Besucher erfahren unter anderem etwas über die legendären Bernsteinwälder vor 50 Millionen Jahren und können im Bernsteinpavillon wandhohe Fototafeln des berühmten Bernsteinzimmers in St. Petersburg bewundern.

Daneben betreibt das Arboretum zusammen mit dem Fachbereich Landschaftsarchitektur der Fachhochschule Osnabrück und der Otto-Henneberg-Poppenbüttel-Stiftung, Hamburg, einige Gehölzforschungsprojekte. So werden an verschiedenen Gehölzen der Wasserwälder wie dem Rotahorn (Acer rubrum), der Kahlen Apfelbeere (Aronia arbutifolia), Cephalanthus occidentalis, der Weißen Scheinzypresse (Chamaecyparis thyoides), der Tintenbeeren-Stechpalme (Ilex glabra), der Sumpf-Magnolie (Magnolia virginiana) sowie der Echten Sumpfzypresse (Taxodium distichum) und der Aufrechten Sumpfzypresse (Taxodium distichum var. imbricarium) Untersuchungen über deren anatomische Anpassung an Umwelt und Standort durchgeführt.

Wissenschaftlich fundierte Sammlungen und Forschungsprojekte im Arboretum unterstützen die akademische und gärtnerische Fachausbildung. Dazu gehören die von Erich Frahm zusammengestellte größte Zierapfelsammlung Deutschlands oder das umfangreiche Zierkirschensortiment. Hinzugekommen sind die Gehölze der Wasserwälder, Bambusarten, eine große Hortensiensammlung und über 250 Strauchpfingstrosenarten und -sorten, die größte Sammlung dieser Art in Deutschland.

Die Sichtung, Züchtung und Selektion von Strauch-Pfingstrosen bildet einen weiteren Forschungsschwerpunkt. Im Arboretum wurde in den letzten zehn Jahren nicht nur das größte Strauch-Päonien-Sortiment Deutschlands mit allen Wildarten und 245 Sorten zusammengetragen, sondern auch mit eigener Selektions- und Züchtungsarbeit begonnen. Dabei stehen die amerikanischen Lutea-Hybriden und die aus China stammende Wildart Paeonia rockii (S.G.Haw et L.A.Lauener) T. Hong et J.J. Li und ihre Hybriden im Mittelpunkt des Interesses. Nach den bisherigen Sichtungsergebnissen stehen etwa 500 zum Teil 25-jährige Exemplare der Paeonia rockii im Arboretum. Diese wüchsige und über zwei Meter hoch werdende Wildart ist sehr viel wertvoller als die teilweise äußerst gartenuntauglichen Suffruticosa-Hybriden aus China, Japan und Frankreich.